[Interview] Brandprävention als Ehrenamt

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Bei rauchmeldungen.de möchten wir auch immer wieder Personen vorstellen, die sich im Bereich Brandschutz engagieren und so einen Beitrag zur Aufklärung und damit auch zur Sicherheit leisten. Wenn sie sich zu diesem Themengebiet informieren möchten, werden sie früher oder später auf das Wiki brand-feuer.de stoßen.

Wir haben mit dem Betreiber Rainer Schwarz über seine Motivation für die Informations- und Präventions-Website gesprochen.

rauchmeldungen.de: Bitte teilen sie den Lesern mit, wer sie sind und was sie beruflich machen?

Ich war mal Polizeibeamter des Landes NRW und hatte 17 Jahre den Aufgabenbereich Brandursachen zu ermitteln. Insgesamt war ich 42 Jahre bei der Polizei.

rauchmeldungen.de: Wie ist es zu dem Website-Projekt www.brand-feuer.de gekommen und was ist das Ziel?

Wenn man eine Brandursache ermittelt, werden an der Brandstelle immer drei Fragen gestellt:

  1. Warum hat es gebrannt?
  2. Die Schuldfrage
  3. Was können wir tun, um sicherer zu leben?

Umfangreiche Präventionsangebote gab es bis vor einigen Jahren nur für den Bereich Einbruch. Irgendwann im Sommer 2007 stand beim Grillen plötzlich Spiritus auf dem Tisch. Ein Wort gab das andere. Es kam die deutliche Frage: Woher soll man wissen, dass Spiritus so gefährlich ist? Bei dem Grillen war auch Mark Leewe anwesend, ein selbstständiger IT Unternehmer. Der erklärte sich bereit, die Hardware-Seite zu stellen, wenn wir das ehrenamtliche Projekt mit Leben füllen. Am 7.12.2007 begannen wir mit dem Projekt.

rauchmeldungen.de: Können sie uns etwas zum Erfolg des Projektes erzählen?

Im Laufe der Jahre wuchs das Projekt. Mittlerweilen zählen wir über 1,7 Millionen Besucher. Wir sind mit Organisationen, Feuerwehrverbänden, Behörden, Länderpolizei, Versicherungen, Gutachter, Schulen, Bildungsservern, Universitäten, usw. verlinkt.

Als Erfolg werte ich, dass uns sehr viele mit unserem Projekt unterstützen. Einer allein könnte weder das Arbeitsaufkommen bewältigen, noch den Inhalt erstellen, überarbeiten und pflegen.

Im Jahr 2009 kam Jörg Cicha, Brandursachenermittler aus Güstrow / MV zu unserem Team. Auch er ist Brandursachenermittler bei der Polizei, Buchautor und fest in unserem Team.

rauchmeldungen.de: Thema Prävention – wann und in welchem (Lebens-)Bereich schlummern die größten Gefahren für die Menschen?

Vielleicht sollte man diese Frage aufteilen.

  • Wenn sie den Lebensbereich auf das Alter beziehen, so kann man sagen, dass ältere Menschen gefährdeter sind, weil Gefahren nicht mehr so gut erkannt werden können. Die eingeschränkte Mobilität trägt evtl. auch dazu bei.
  • Bezieht man die Frage auf den Ort, so meine ich, dass im Küchenbereich und in der Landwirtschaft erhebliche Brandgefahren schlummern.

Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass bestimmte Jahreszeiten auch bestimmte Brandgefahren beinhalten. Im Winter gibt es vermehrte Brandgefahren zum Beispiel durch Kaminbrände, Kerzen, Heizöfen. Deswegen sind auch die Schornsteinfeger so wichtig. Die schauen sich den Schornstein oder Kamin genau an.

Im Frühjahr werden Holzmöbel gereinigt, geölt oder gewachst. Die Gefahr einer Selbstentzündung wird dabei verkannt.

Im Sommer gibt es vermehrt Brände, die durch Grillen (heiße Asche, Funkenflug, Sicherheitsabstände) verursacht werden. Aber es treten auch Gebäudebrände auf, die durch Abflämmen von Unkraut verursacht wurden.

Nicht nur bei großer Hitze kommt es zu Flächenbränden oder Waldbränden. Die Brandursachen dabei sind vielfältig:

  • Technik wird eingesetzt, um die Ernte einzubringen. In der Technik kann es zu technischen Defekten kommen, die einen Brand bereits auf dem Feld verursachen.
  • Manche Heuernte schafft es nicht in die Scheune. Manche wird die Ernte feucht eingebracht, so dass es später zur bekannten Heuselbstentzündung kommen kann, oder kommt.

rauchmeldungen.de: Welche Themen interessiert die Leser am meisten (z.B. gemessen an den Besuchern) und warum?

Die Seiten mit der Feuerwehrinhalten führen die Statistik an, gefolgt vom Brandschutz in Betrieben. Nach dem Artikel über Holz folgen bereits die Brandursachen. Der Grundgedanke, wie auch das Wikipedia–Prinzip ermöglichen das erkennen des Zusammenhanges. Wir haben kaum einen Artikel ohne Fotos, was für ein sehr gutes Verständnis sorgt.

rauchmeldungen.de: Wie kann der Brandschutz gefördert werden, was kann wichtig sein bzw. wo sollten die Menschen mehr Aufmerksamkeit haben?

Die brand-feuer.de Website ist gut bebildert

Die brand-feuer.de Website ist gut bebildert

Ich könnte mir vorstellen, wenn in der Schule die Brandgefahren vorgestellt würden, dass gerade junge Menschen diese behalten werden. Bereits im ersten Schuljahr lernen die Kinder die Gefahren der Straße kennen.Warum nicht andere (Brand-) Gefahrenquellen ebenso? (Hinweis der Redaktion: Was ist Brandschutzerziehung?)

  • Manchmal hilft es auch, wenn man sich die Bedienungsanleitung genauer betrachtet.
  • Es ist für mich immer interessant festzustellen, wer sich alles an die Elektrik wagt.
  • Warum macht sich kaum jemand Gedanken, dass Elektriker ein recht schwieriger Lehrberuf ist.
  • Es sollte auch auf einen Sicherheitsabstand z. B. von einem Mülleimer neben oder unter einer Holzfassade geachtet werden. Mülleimer sind ein umfassendes Thema, da in diesen oftmals heiße Asche eingefüllt wird.

Ein Rauchmelder allein verhindert keinen Brand, er meldet diesen nur sehr schnell. Deswegen ist er unabdingbar und gehört in jedes Gebäude!

rauchmeldungen.de: Können sich Leser inhaltlich selbst mit einbringen und was müssen sie dafür tun?

Grundsätzlich sind wir offen für jeden Fachbeitrag. Vor einer Einstellung muss jedoch eine Anmeldung erfolgen. Es sollte kurz der echte Name wie auch das Fachwissen kurz vorgestellt werden. Wir hatten leider Anmeldungen, die nur zur Reklameeinstellung erfolgte.

rauchmeldungen.de: Wie sieht die Zukunft des Projektes aus: was wünschen sie sich und welche Weiterentwicklung wird es geben?

www.brand-feuer.de ist das einzige Präventions-Projekt, bei dem alle am Thema beteiligte sich auch einbringen können. Mittlerweile sind es mehrere Brandursachenermittler, Schornsteinfeger, Feuerwehrmitarbeiter, auch Rechtsanwälte und viele Andere Fachleute.

Mich würde es sehr freuen, wenn sich weitere Berufsgruppen oder Fachorganisationen anschließen würden. Wenn sie sich die Medienwelt anschauen, finden sie Prävention in vielen Facetten. Die Politik und die Medien geben die Themen oder eine Richtung vor. Einbruchschutz ist sehr wichtig, aber wird ein Gebäude sicher, wenn der Brandschutzgedanke draußen bleibt?

Herr Schwarz, vielen Dank für das Gespräch!

Haben sie weitere Fragen zu dem Projekt oder den Initiatoren? Dann stellen sie diese in den Kommentaren. Wir freuen uns auf ihr Feedback!

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1 Antwort zu "[Interview] Brandprävention als Ehrenamt"

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  1. Thomas Klein sagt
    Der Begriff "Brandprävention" oder auch "Brandrauchprävention" sollten zuerst definiert werden. Ich meine "Alle organisatorischen und technisch- organisatorischen Maßnahmen, die die Entstehung von Brandrauch unterbinden" sind meiner Meinung damit erfassbar. Denn Brandrauch entsteht auch ohne eine sichtbare Flammbildung ( Kunststoffe, Isolierungen)
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